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"Reflexion wird selten durch Bequemlichkeit ausgelöst."
Was verbinden Sie persönlich mit dem Künstlerdorf Worpswede?
"Ich verbinde mit dem Ort sehr viele historische Künstlerinnen- und Künstler-Biografien, die auf ihrem Lebensweg Worpswede kreuzten. Aber auch heute, wenn man Worpswede besucht, erlebt man dort Künstlerinnen und Künstler, für die dieser Kunstort entscheidende Möglichkeiten bietet für die Entwicklung ihrer Karriere. Worpswede ist für mich ein Ort, wo Künstlerinnen und Künstler Meilensteine für ihr künstlerisches Schaffen setzen können."
Worpswede ist besonders bekannt für seine historische Künstlergeneration, die dort in den Museen verehrt wird. Die erste Generation der Künstlerkolonie, dazu zählte auch Paula Modersohn-Becker, waren damals in ihrer Kunst und im Leben zum Teil sehr radikal. Auch heutige zeitgenössische Kunst kann radikal sein und dem aktuellen Publikum befremdlich erscheinen. Selbst in einem Ort wie Worpswede. Welche Impulse gehen Ihrer Meinung nach von zeitgenössischer Kunst in einem eher ländlich geprägten Ort aus?
"Zunächst gehört es zur Freiheit von Kunst und Kultur, Denkanstöße zu geben und auch zu irritieren. Denn oft entsteht ein neuer Blick auf gesellschaftliche Fragen nicht durch Zustimmung, sondern gerade dann, wenn Gewohntes hinterfragt wird. Insofern soll Kunst oder Kultur nie angepasst sein, sonst würde sie ihren wesentlichen Wert verlieren. Es liegt sozusagen in der Natur der Kunst, dass Künstlerinnen und Künstler immer wieder neue Grenzen und neue Impulse austesten wollen."
Ist das in einem Dorf anders als in der Stadt aus Ihrer Sicht?
"Es mag sein, dass im ländlichen Raum künstlerische Arbeiten auch mal Kontroversen auslösen, die in Großstädten selbstverständlich erscheinen, weil dort eine andere Vielfalt der Kulturen vorhanden ist. Auch ist das künstlerische Angebot im ländlichen Raum sicher weniger verdichtet. Aber dennoch: Kunst als Impulsgeber ist dort nicht weniger relevant. Von den rund 8 Millionen Menschen in Niedersachsen lebt die Mehrheit nicht großen Städten. Und wer auf dem Land oder in kleineren Städten lebt, erwartet zu Recht, dass Kunst und Kultur nicht allein den urbanen Zentren vorbehalten ist. Es geht um Anstöße und Auseinandersetzungen mit den Gegebenheiten vor Ort. Hier kann Kunst Diskurse anregen. Reflexion wird selten durch Bequemlichkeit ausgelöst."
Als Martin Kausche in den 1970er Jahren die Stipendienresidenzstätte mitgründete, wollte er einen Ort für zeitgenössische Kunst in Worpswede schaffen, an dem sich die schöpferischen Kräfte von Kreativen in Freiheit entfalten können. Nach erfolgreichen Jahren der Künstlerförderung gab es 2009 einen Kipppunkt, die Förderung der Stipendienstätte für zeitgenössische Kunst wurde damals vom Ministerium, also vom Land Niedersachsen, weitgehend abgezogen. Sie zeigen seit Ihrem Amtsantritt sichtbares Interesse an dem Vorhaben, die Idee einer Stipendienstätte der Zukunft im Künstlerdorf neu zu beleben. Wieso engagieren Sie sich für diesen Ort, für die zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler, diese junge wilde und häufig eben auch radikal anstößige Kunst?
"Mein Eindruck ist, dass sich Worpswede mit Kreativität und mit Elan weiterentwickelt und das ist einfach unterstützenswert. Ich sehe, dass hier für das Künstlerdorf, für Niedersachsen und auch international neue wichtige Impulse entstehen. Kulturförderung bedeutet für mich, Menschen und Initiativen zu unterstützen, die gesellschaftlich etwas bewegen wollen. Deshalb haben wir trotz der angespannten Haushaltslage zusätzliche Mittel in Form des „Kulturpakets“ auf den Weg gebracht und die Förderung ausgeweitet. In Worpswede erlebe ich gerade viel kreatives Potenzial bei den Menschen, die sich dort engagieren. Das verdient Unterstützung."
Im Entwurf für den Doppelhaushalt 2027 und 2028 wird das Land Niedersachsen neben vielen anderen Förderungen konkret die jährliche Zuwendung des Landes an die Künstlerinnenhäuser um jeweils 100.000 Euro erhöhen. Das wäre eine tolle Nachricht für die Künstler:innenhäuser. Es gibt eine aktuelle Studie „Demokratie und Zusammenhalt im ländlichen Raum stärken" von der BTU Cottbus, in der Gelingensbedingungen für Kunst und Kultur in ruralen Räumen entwickelt wurden. Ein zentraler Punkt ist dabei aus Sicht der Forschenden, dass nachhaltige Wirkung nur dort entstehen kann, wo langfristiges Engagement auf verlässliche Rahmenbedingungen trifft. Kann man die Initiative, die Sie jetzt ergriffen haben, als den Beginn einer dauerhaften erhöhten institutionellen Förderung für die Künstler:innenhäuser interpretieren, die damit natürlich nachhaltig mehr Strahlkraft entfalten kann lokal, regional und international?
"Genau dafür ist das Kulturpaket gedacht. Es ist kein kurzfristiges Programm für ein oder zwei Jahre, sondern dauerhaft im Haushalt angelegt. Denn wir brauchen gerade im ländlichen Raum Orte, wo sich Menschen begegnen und miteinander ins Gespräch kommen. Dieser Dialog findet in meiner persönlichen Wahrnehmung im Moment viel zu wenig statt in unserer Gesellschaft. Zu oft bewegen wir uns in unseren eigenen Blasen. Man muss nicht immer einer Meinung sein. Unterschiedliche Sichtweisen und auch Widerspruche sind völlig legitim und gehören zu einer offenen Gesellschaft dazu. Diese ehrenamtlich getragenen Einrichtungen, die vielen kleinen Kulturvereine und das große Engagement in der Fläche sind unverzichtbar. Ihnen wollen wir Verlässlichkeit und Planungssicherheit geben. Mit dem Kulturpaket schaffen wir die Rahmenbedingungen, damit dieses Engagement bestehen kann."
Es gibt ja noch eine andere Baustelle jenseits der erhöhten institutionellen Förderung, die Künstler:innenhäuser, also die Ateliergebäude. Wenn dieser einzigartige Residenzort erhalten werden soll, dann muss zeitnah saniert werden. Dazu gibt es konkrete Pläne, Gemeinde und Landkreis schaffen gemeinsam die baurechtlichen Grundlagen für die Umbaugenehmigung. Aber natürlich, das kostet Geld, im Gespräch sind mindestens 2,4 Millionen Euro. Wie kann und will das Land Niedersachsen dieses ehrgeizige Bauvorhaben, ideell, über seine Netzwerke und womöglich auch finanziell unterstützen?
_"Wir schaffen im kommenden Landeshaushaushalt erstmals die Möglichkeit, zusätzliche Bundesmittel für Kulturinvestitionen gezielt zu ergänzen. Wenn der Bund ein wichtiges Kulturprojekt fördert, kann Niedersachsen künftig seinen Beitrag leisten, damit solche Chancen nicht an fehlender Kofinanzierung scheitern."
Über das Kulturpaket hinaus?
"Genau. Über das Kulturpaket hinaus haben wir einen neuen Fördertitel eingerichtet, der zunächst mit 470.000 Euro ausgestattet ist. Davon profitiert allerdings nicht nur Worpswede, aber natürlich kann Worpswede davon profitieren. Die Wahrheit ist aber auch, dass ein Umbau in dieser Größenordnung kein finanzieller Selbstläufer wird. Wir haben großes Interesse daran, mit allen Beteiligten nach Lösungen zu suchen. Einfach wird es zugegebenermaßen nicht. Im nächsten Schritt ist es erstmal wichtig, auf Grundlage eines Bauplans und eines künstlerischen Konzepts eine gemeinsame Strategie zu entwickeln: Wer kann welchen Beitrag leisten? Welche Förderprogramme passen? Wo lassen sich zusätzliche Mittel erschließen? Gerade bei Bundesprogrammen ist eine Kofinanzierung Voraussetzung. Wenn es nicht gelingt, den Eigenanteil im Schulterschluss mit Landkreis, Gemeinde vor Ort, Land und Stiftung aufzubringen, gibt es auch keine Mittel vom Bund. Ich habe in den vergangenen Jahren häufig erlebt, dass es gute Ideen und überzeugende Konzepte gab, aber keine passende Finanzierungsidee."
Im nächsten Jahr planen die Künstler:innenhäuser, im Rahmen der Gemeindepartnerschaft mit Olevano Romano und zusammen mit der Villa Massimo ein Kunstfestival in Italien stattfinden zu lassen. Welchen Mehrwert sehen Sie als Minister für Wissenschaft und Kultur hier in Niedersachsen in solchen internationalen Aktivitäten, Kunst aus Worpswede in die Welt zu bringen und Künstler:innen aus der Welt ins Künstlerdorf zu holen, in eine hoffentlich bald renovierte Stipendienstätte der Zukunft?
"Solche Aktivitäten haben für mich in mehrfacher Hinsicht einen großen Wert. Sie machen Worpswede und Niedersachsen international sichtbarer. Solche Kooperationen zeigen, dass kreative Impulse aus Niedersachsen weit über Landesgrenzen hinaus wirken. Es geht nicht nur um die Kunst, sondern auch um menschliche Begegnungen. Die Kunstwelt ist international vernetzt und Worpswede kann in diesem Netzwerk ein wichtiger Knoten werden. Als Botschafterin kann sie Skeptikerinnen und Skeptikern zeigen, welchen Mehrwert internationale Begegnungen haben. Als Minister beschäftigt mich dabei auch die Frage, wie wir Kunst und Kultur im ländlichen Raum dauerhaft stärken können. Perspektive, Optimismus und Selbstwirksamkeit sind meiner Meinung nach die Antwort auf dystopische, populistische Akteure. Genau hier liegt die Kraft von Kunst und Kultur: Sie eröffnen Räume, in denen Menschen sich ausdrücken, mit anderen Leuten zusammenkommen, sich irritieren lassen können. Aktuell sind wir in Deutschland leider schlecht darin, Graubereiche auszuhalten."
Wie ändern wir das?
"In meinem Verständnis heißt Kulturpolitik vor allem „Raum geben". Kulturförderung kann Türen öffnen, aber sie schreibt nicht vor, was in den Räumen entsteht. Unsere Aufgabe als Ministerium ist es nicht, zu definieren, was Kultur sein soll. Wir wollen Kunstschaffende dabei unterstützen, Ideen zu entwickeln. Das ist mein Blick auf das Künstlerdorf Worpswede. Als eine Chance für die zeitgenössische junge Kunst, die Menschen ausgestalten und weiterentwickeln wollen."
Reibung als Ressource - Studie „Worpswede Contemporary“
Programm Sommerfest 2026
Sommerfest 2026 in den Künstler:innenhäusern
Tagung, 11.-13. Juni 2026, Worpswede
Klangkunst: Deaf Moor - silence is nice … but …
Soft Soil – Ecopoetic Conversations
Plural
Säulen der Demokratie
Programm Sommerfest 2025
Was verbinden Sie persönlich mit dem Künstlerdorf Worpswede?
"Ich verbinde mit dem Ort sehr viele historische Künstlerinnen- und Künstler-Biografien, die auf ihrem Lebensweg Worpswede kreuzten. Aber auch heute, wenn man Worpswede besucht, erlebt man dort Künstlerinnen und Künstler, für die dieser Kunstort entscheidende Möglichkeiten bietet für die Entwicklung ihrer Karriere. Worpswede ist für mich ein Ort, wo Künstlerinnen und Künstler Meilensteine für ihr künstlerisches Schaffen setzen können."
Worpswede ist besonders bekannt für seine historische Künstlergeneration, die dort in den Museen verehrt wird. Die erste Generation der Künstlerkolonie, dazu zählte auch Paula Modersohn-Becker, waren damals in ihrer Kunst und im Leben zum Teil sehr radikal. Auch heutige zeitgenössische Kunst kann radikal sein und dem aktuellen Publikum befremdlich erscheinen. Selbst in einem Ort wie Worpswede. Welche Impulse gehen Ihrer Meinung nach von zeitgenössischer Kunst in einem eher ländlich geprägten Ort aus?
"Zunächst gehört es zur Freiheit von Kunst und Kultur, Denkanstöße zu geben und auch zu irritieren. Denn oft entsteht ein neuer Blick auf gesellschaftliche Fragen nicht durch Zustimmung, sondern gerade dann, wenn Gewohntes hinterfragt wird. Insofern soll Kunst oder Kultur nie angepasst sein, sonst würde sie ihren wesentlichen Wert verlieren. Es liegt sozusagen in der Natur der Kunst, dass Künstlerinnen und Künstler immer wieder neue Grenzen und neue Impulse austesten wollen."
Ist das in einem Dorf anders als in der Stadt aus Ihrer Sicht?
"Es mag sein, dass im ländlichen Raum künstlerische Arbeiten auch mal Kontroversen auslösen, die in Großstädten selbstverständlich erscheinen, weil dort eine andere Vielfalt der Kulturen vorhanden ist. Auch ist das künstlerische Angebot im ländlichen Raum sicher weniger verdichtet. Aber dennoch: Kunst als Impulsgeber ist dort nicht weniger relevant. Von den rund 8 Millionen Menschen in Niedersachsen lebt die Mehrheit nicht großen Städten. Und wer auf dem Land oder in kleineren Städten lebt, erwartet zu Recht, dass Kunst und Kultur nicht allein den urbanen Zentren vorbehalten ist. Es geht um Anstöße und Auseinandersetzungen mit den Gegebenheiten vor Ort. Hier kann Kunst Diskurse anregen. Reflexion wird selten durch Bequemlichkeit ausgelöst."
Als Martin Kausche in den 1970er Jahren die Stipendienresidenzstätte mitgründete, wollte er einen Ort für zeitgenössische Kunst in Worpswede schaffen, an dem sich die schöpferischen Kräfte von Kreativen in Freiheit entfalten können. Nach erfolgreichen Jahren der Künstlerförderung gab es 2009 einen Kipppunkt, die Förderung der Stipendienstätte für zeitgenössische Kunst wurde damals vom Ministerium, also vom Land Niedersachsen, weitgehend abgezogen. Sie zeigen seit Ihrem Amtsantritt sichtbares Interesse an dem Vorhaben, die Idee einer Stipendienstätte der Zukunft im Künstlerdorf neu zu beleben. Wieso engagieren Sie sich für diesen Ort, für die zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler, diese junge wilde und häufig eben auch radikal anstößige Kunst?
"Mein Eindruck ist, dass sich Worpswede mit Kreativität und mit Elan weiterentwickelt und das ist einfach unterstützenswert. Ich sehe, dass hier für das Künstlerdorf, für Niedersachsen und auch international neue wichtige Impulse entstehen. Kulturförderung bedeutet für mich, Menschen und Initiativen zu unterstützen, die gesellschaftlich etwas bewegen wollen. Deshalb haben wir trotz der angespannten Haushaltslage zusätzliche Mittel in Form des „Kulturpakets“ auf den Weg gebracht und die Förderung ausgeweitet. In Worpswede erlebe ich gerade viel kreatives Potenzial bei den Menschen, die sich dort engagieren. Das verdient Unterstützung."
Im Entwurf für den Doppelhaushalt 2027 und 2028 wird das Land Niedersachsen neben vielen anderen Förderungen konkret die jährliche Zuwendung des Landes an die Künstlerinnenhäuser um jeweils 100.000 Euro erhöhen. Das wäre eine tolle Nachricht für die Künstler:innenhäuser. Es gibt eine aktuelle Studie „Demokratie und Zusammenhalt im ländlichen Raum stärken" von der BTU Cottbus, in der Gelingensbedingungen für Kunst und Kultur in ruralen Räumen entwickelt wurden. Ein zentraler Punkt ist dabei aus Sicht der Forschenden, dass nachhaltige Wirkung nur dort entstehen kann, wo langfristiges Engagement auf verlässliche Rahmenbedingungen trifft. Kann man die Initiative, die Sie jetzt ergriffen haben, als den Beginn einer dauerhaften erhöhten institutionellen Förderung für die Künstler:innenhäuser interpretieren, die damit natürlich nachhaltig mehr Strahlkraft entfalten kann lokal, regional und international?
"Genau dafür ist das Kulturpaket gedacht. Es ist kein kurzfristiges Programm für ein oder zwei Jahre, sondern dauerhaft im Haushalt angelegt. Denn wir brauchen gerade im ländlichen Raum Orte, wo sich Menschen begegnen und miteinander ins Gespräch kommen. Dieser Dialog findet in meiner persönlichen Wahrnehmung im Moment viel zu wenig statt in unserer Gesellschaft. Zu oft bewegen wir uns in unseren eigenen Blasen. Man muss nicht immer einer Meinung sein. Unterschiedliche Sichtweisen und auch Widerspruche sind völlig legitim und gehören zu einer offenen Gesellschaft dazu. Diese ehrenamtlich getragenen Einrichtungen, die vielen kleinen Kulturvereine und das große Engagement in der Fläche sind unverzichtbar. Ihnen wollen wir Verlässlichkeit und Planungssicherheit geben. Mit dem Kulturpaket schaffen wir die Rahmenbedingungen, damit dieses Engagement bestehen kann."
Es gibt ja noch eine andere Baustelle jenseits der erhöhten institutionellen Förderung, die Künstler:innenhäuser, also die Ateliergebäude. Wenn dieser einzigartige Residenzort erhalten werden soll, dann muss zeitnah saniert werden. Dazu gibt es konkrete Pläne, Gemeinde und Landkreis schaffen gemeinsam die baurechtlichen Grundlagen für die Umbaugenehmigung. Aber natürlich, das kostet Geld, im Gespräch sind mindestens 2,4 Millionen Euro. Wie kann und will das Land Niedersachsen dieses ehrgeizige Bauvorhaben, ideell, über seine Netzwerke und womöglich auch finanziell unterstützen?
_"Wir schaffen im kommenden Landeshaushaushalt erstmals die Möglichkeit, zusätzliche Bundesmittel für Kulturinvestitionen gezielt zu ergänzen. Wenn der Bund ein wichtiges Kulturprojekt fördert, kann Niedersachsen künftig seinen Beitrag leisten, damit solche Chancen nicht an fehlender Kofinanzierung scheitern."
Über das Kulturpaket hinaus?
"Genau. Über das Kulturpaket hinaus haben wir einen neuen Fördertitel eingerichtet, der zunächst mit 470.000 Euro ausgestattet ist. Davon profitiert allerdings nicht nur Worpswede, aber natürlich kann Worpswede davon profitieren. Die Wahrheit ist aber auch, dass ein Umbau in dieser Größenordnung kein finanzieller Selbstläufer wird. Wir haben großes Interesse daran, mit allen Beteiligten nach Lösungen zu suchen. Einfach wird es zugegebenermaßen nicht. Im nächsten Schritt ist es erstmal wichtig, auf Grundlage eines Bauplans und eines künstlerischen Konzepts eine gemeinsame Strategie zu entwickeln: Wer kann welchen Beitrag leisten? Welche Förderprogramme passen? Wo lassen sich zusätzliche Mittel erschließen? Gerade bei Bundesprogrammen ist eine Kofinanzierung Voraussetzung. Wenn es nicht gelingt, den Eigenanteil im Schulterschluss mit Landkreis, Gemeinde vor Ort, Land und Stiftung aufzubringen, gibt es auch keine Mittel vom Bund. Ich habe in den vergangenen Jahren häufig erlebt, dass es gute Ideen und überzeugende Konzepte gab, aber keine passende Finanzierungsidee."
Im nächsten Jahr planen die Künstler:innenhäuser, im Rahmen der Gemeindepartnerschaft mit Olevano Romano und zusammen mit der Villa Massimo ein Kunstfestival in Italien stattfinden zu lassen. Welchen Mehrwert sehen Sie als Minister für Wissenschaft und Kultur hier in Niedersachsen in solchen internationalen Aktivitäten, Kunst aus Worpswede in die Welt zu bringen und Künstler:innen aus der Welt ins Künstlerdorf zu holen, in eine hoffentlich bald renovierte Stipendienstätte der Zukunft?
"Solche Aktivitäten haben für mich in mehrfacher Hinsicht einen großen Wert. Sie machen Worpswede und Niedersachsen international sichtbarer. Solche Kooperationen zeigen, dass kreative Impulse aus Niedersachsen weit über Landesgrenzen hinaus wirken. Es geht nicht nur um die Kunst, sondern auch um menschliche Begegnungen. Die Kunstwelt ist international vernetzt und Worpswede kann in diesem Netzwerk ein wichtiger Knoten werden. Als Botschafterin kann sie Skeptikerinnen und Skeptikern zeigen, welchen Mehrwert internationale Begegnungen haben. Als Minister beschäftigt mich dabei auch die Frage, wie wir Kunst und Kultur im ländlichen Raum dauerhaft stärken können. Perspektive, Optimismus und Selbstwirksamkeit sind meiner Meinung nach die Antwort auf dystopische, populistische Akteure. Genau hier liegt die Kraft von Kunst und Kultur: Sie eröffnen Räume, in denen Menschen sich ausdrücken, mit anderen Leuten zusammenkommen, sich irritieren lassen können. Aktuell sind wir in Deutschland leider schlecht darin, Graubereiche auszuhalten."
Wie ändern wir das?
"In meinem Verständnis heißt Kulturpolitik vor allem „Raum geben". Kulturförderung kann Türen öffnen, aber sie schreibt nicht vor, was in den Räumen entsteht. Unsere Aufgabe als Ministerium ist es nicht, zu definieren, was Kultur sein soll. Wir wollen Kunstschaffende dabei unterstützen, Ideen zu entwickeln. Das ist mein Blick auf das Künstlerdorf Worpswede. Als eine Chance für die zeitgenössische junge Kunst, die Menschen ausgestalten und weiterentwickeln wollen."
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